Der Vogtländer Georg Samuel Doerffel (auch Dörffel): Wer war er und warum wurde unsere Sternwarte nach ihm benannt?
von Rainer Benndorf, Plauen
Zusammenf
assung. Georg Samuel Doerffel (1643 - 1688) war ein Lutherischer Geistlicher und Astronom. Er lebte und wirkte in Plauen, bis er 1684 zum Superintendenten nach Weida be rufen wurde. Im Studium in Leipzig und Jena belegte er die Fächer Theologie und Physik, eignete sich aber auch ein profundes Wissen in Astronomie und Mathematik an. Seine wichtigsten Lehrer waren Johann Adam Schertzer (Theologie in Leipzig) und Erhard Weigel (Physik, Astronomie in Jena). Nach dem Studium war er als Geistlicher in den Dörfern Oberlosa und Straßberg bei Plauen tätig. In dieser Zeit begann er mit astronomischen Beobachtungen von seinem Haus aus, das im Zentrum Plauens lag.
Seit der 'Kopernikanischen Wende' von 1543 stand die Astronomie im Mittelpunkt eines heftigen Streits unter Astronomen und Theologen um die Beschaffenheit unserer Welt und um die Stellung der Menschen darin. Aber erst im 17. Jahrhundert vollzog sich in der Gesellschaft der Umbruch vom alten geozentrischen Weltbild oder Weltmodell hin zum heliozentrischen Weltmodell nach Johannes Kepler, wenn auch nur in kleinen Schritten. Ein Grund für die zögerliche Akzeptanz war, daß das neue Weltmodell mit der Sonne im Zentrum anscheinend nur für Planeten galt, nicht aber für Kometen, die ein anderes Bewegungsmuster zeigten, unberechenbar blieben und als eine Art kosmischer Geisterfahrer galten. Daher wurden sie von vielen als Boten Gottes angesehen, die - mit göttlicher Kraft angetrieben - nicht den irdischen Regeln folgen mußten. Aus diesem Grund war das Verständnis der Kometenbahn für die allgemeine Akzeptanz des heliozentrischen Weltmodells nach Kepler so wichtig, und hier leistete Georg Samuel Doerffel einen Beitrag.
Ende 1680/Anfang 1681 erschien am Himmel der Komet C/1680 V1 (Komet Kirch). Er war auch am Taghimmel sichtbar und muß wegen seiner außerordentlichen Helligkeit und Schweiflänge eine eindrucksvolle Erscheinung gewesen sein; Vielleicht war er die gewaltigste Kometenerscheinung der vergangenen 1000 Jahre. Doerffel bestimmte die sich täglich ändernden Positionen dieses Kometen am Himmel, zunächst auf dem Weg zur Sonne hin und anschließend wieder von der Sonne weg. Als Erster verband er diese beiden Äste der Kometenbahn, wodurch eine Parabel (Kegelschnitt) mit der Sonne im Brennpunkt entstand. Dabei konstruierte Doerffel die Kometenbahn in Projektion auf die Ekliptik und erfaßte so die gleichzeitigen Bewegungen von Komet und Erde um die Sonne. Auf diese Weise gelang der Beweis für die Bewegung des Kometen um die Sonne, ähnlich den Planeten, wodurch die Kometen schließlich berechenbar wurden. Damit hat Doerffel den ersten Baustein geliefert, um die Bewegung von Kometen in das heliozentrische Weltmodell nach Kepler einzufügen. Dies ist sein historisches Verdienst. Die anderen Bausteine der Kometenforschung lieferten etwas später Isaak Newton und Edmond Halley: Newton entdeckte mit der Gravitation die treibende Kraft für die Kometenbewegung und Halley führte den Nachweis einer Ellipsenbahn für Kometen, die periodisch wiederkehren. Spätestens mit der von Halley vorhergesagten Wiederkehr 'seines' Kometen im Jahre 1758 wurde das heliozentrische Weltmodell nach Kopernikus und Kepler allgemein anerkannt.
Zu Lebzeiten wurde Doerffels Leistung kaum wahrgenommen, jedoch erhielt er posthum die verdiente Anerkennung. Doerffel zu Ehren wurde durch die Internationale Astronomische Union der Kraterkomplex Doerfel auf dem Mond nach ihm benannt, ebenso der Hauptgürtelasteroid 4076 Dörffel. In Weida trägt das staatliche Georg-Samuel-Dörffel-Gymnasium seinen Namen. In Weida und Plauen sind die Dörffelstraßen nach ihm benannt. Zudem steht in Plauen auf dem Bärenstein ein Dörffel-Denkmal mit der Skulptur eines Kometen. Auf Grund seiner bedeutenden astronomischen Leistung wurde die Sternwarte im Pfarrhof Geilsdorf der evangelisch-lutherischen St. Jakobus-Gemeinde im Vogtland nach Georg Samuel Dörffel (Doerffel) benannt.